Montag, 21. September 2009

Bald lass ich es rahmen

Der Wecker klingelt um 9:00 Uhr morgens an einem Samstag. Eigentlich keine Zeit zum Aufstehen. Aber heute schon. Es geht nach Aahlen. Auswärtsspiel. Da es nur 1,5 Stunden sind, fahren wir doch gerne mal aufs Land. Ich war ja auch noch nie in Aahlen. Das schöne an Auswärtsspielen ist ja auch immer die Anreise. Man trifft überall auf der Autobahn andere Bekloppte, die auch gerade unterwegs sind. Immer wieder erstaunlich, was an Samstagen eigentlich immer abgeht. Man trifft Fans von der eigenen Mannschaft bei der ein oder anderen Pinkelpause. Oder auch mal Fans von anderen Mannschaften. Bei zweiteren mustert man sich kurz verächtlich, denkt sich insgeheim was für Spaselacken, wünscht Ihnen alles Schlechte und fährt siegesgewiss wieder von dannen. Dieses Mal treffen wir auf ein paar Dortmunder auf dem Weg nach Hannover. Also kurz gemustert, die häßlichen Trikots angeschaut, die häßlichen Typen dazu, milde gelächelt und dann voller Verachtung hinter uns gelassen.
Die Fahrt ist eigentlich auch recht entspannt, bis wir dann endlich in diesem Dorf ankommen. Pünktlich zum wahrscheinlich größten Spiel mit den meisten Gästefans haben die Dorfältesten beschlossen, die Zufahrtsstrasse zu renovieren. Baustelle. Stau. Es ist 11:45 Uhr und wir haben es eilig, weil noch keine Karten. Einspurige Strasse und Baustellenampel. Also stehen wir lange in der Schlange. Eigentlich hätten wir gerade fähren können, aber ein Opa kommt uns entgegen. Offensichtlich hat es das mit der bestimmten Farbgebung bei Ampeln nicht mehr griffbereit und ist einfach mal gefahren. Komt ja gerade keiner. Dadurch dürfen wir alle noch eine Rotphase mitmachen. Der entgegenkommende Opa wird von vielen netten Fortuna Fans beschimpft, beleidigt und das alles zurecht. Er schaut etwas überrascht bei so viel Hass. Ich rate ihm im vorbeifahren, er möge doch seinen Führerschein abgeben oder sich zum Sterben in seinen Garten setzen.
Endlich geht es weiter und wir sind pünktlich am Stadion und finden direkt daneben einen Parkplatz. Ein paar Meter zu Fuß und wir stehen vor dem Wersestadion. Nein, nicht Weserstadion. Dann hätten wir uns übel verfahren, weil das ist in Bremen. Wersestadion. Den Gästebereich erkennt man sofort, denn da stehen jede Menge Fans. Wir stellen uns dazu. Ein paar Minuten später betreten wir das Wersestadion. Was ein übles Stadion. Man sieht direkt, dass ist schon was älter. Alte Stadion erkennt man immer direkt daran, dass die Blöcke sehr niedrig sind und man quasi nur ein Stückchen oberhalb der Grashalme steht. Die Sicht auf das Spielfeld und auch das Tor gegenüber ist dadurch, sagen wir mal, leicht eingeschränkt.
Egal, wir sind da und die Sonne scheint. Das macht sie übrigens volle Kanne. Kein Schatten und keine Wolke zu sehen.
Eine halbe Stunde vor Spielbeginn kommt die Mannschaft zum Aufwärmen. Die Fans singen und die Sonne scheint. Ich lerne meinen Nachbarn kennen. Netter Mensch. Wir reden über Fortuna.
Dann endlich geht das Spiel los und 19 Sekunden später führen wir. Toll. Das kann ja was werden. Nicht viel später und wir führen 2:0. Na was ist denn hier los. Ein Torfestival etwa? Sehr schön. Mein Nachbar freut sich auch. Die Sonne scheint. Danach kassieren wir den Anschluß, weil Düssekdorf nach 25 Minuten aufhört Fussball zu spielen. Unmut macht sich breit. Egal, wir führen und die Sonne scheint.
Halbzeit. Ich denke mir, ein Getränk wäre nicht schlecht und gehe Richtung Getränkestand. Hinter der Theke stehen ein paar sehr nette, junge Mädels, die völlig überrascht sind, dass (a) nach 45 Minuten ein Fussballspiel unterbrochen wird, (b) Leute bei dem Wetter was trinken wollen und (c) die auf einmal arbeiten müssen. Völlig überfordert haben sie auch vergessen ein paar Becher zu besorgen. Also, keine Getränke, weil keine Becher. Nach 10 Minuten warten haben die jungen Damen komplett die anfängliche wohlwollende Aufmerksamkeit aufgebraucht. Mittlerweile gehen die mir gewaltig auf den Sack. Tröpfchenweise kommen doch mal ein Becher zurück und nach 20 Minuten habe ich was zu trinken und einen riesen Hals. Also fängt die zweite Halbzeit ohne mich an. Ärgere mich, dass der Schiedsrichter nicht mal warten konnte, bis ich wieder im Block bin. Ist eh ein Blödmann.
Mein Nachbar und 90-Minuten-Freund erzählt mir, dass ich nix verpasst habe. Er schon, weil er war keine Getränke holen. Ich erzähl ihm die Geschichte und er lacht. Was ist daran komisch frage ich mich. Egal, die Sonne scheint.
Die Düsseldorfer machen das 3:1 und wir freuen uns, dass Bulle endlich getroffen hat. Mein Nachbar sagt, war ein Glückstreffer. Jaahaa, ja und? Wir philosophieren ein bisschen über andere russische Spieler, die mal für Fortuna spielten. Von Spieler wie Sergej Juran kommen wir auf andere Versager wie Igli Tare, die albanische Wandergitarre, und stellen fest, früher war wirklich nicht alles besser. Beenden schnell das kramen in alten, schlimmen Erinnerungen und schauen wieder Fussball. Schließlich ist ja auch schönes Wetter und die Sonne scheint.
Der gute Marcel Gaus macht das 4:1 und wir freuen uns. Abpfiff, gewonnen. Die Fans feiern. Die Aahlener Fans auch. Aber was? Wahrscheinlich das schöne Wetter und das die Sonne scheint.
Mein neuer Freund verabschiedet sich, wir beide wissen, wir werden uns nie wieder sehen und freuen uns. Wir machen uns auf den Weg zum Auto und ich freue mich wie blöde, wenn ich endlich das Trikot ausziehen kann. Natürlich habe ich das grüne alte Diebels Auswärtstrikot an. Gerade bei diesem Wetter ein wirklich doofe Idee. Aber es muß halt sein. Wir haben bisher noch nicht verloren, wenn ich da war und das Trikot anhatte. Warum habe ich Idiot auch in Duisburg ein anderes angezogen??? Gebt mir die Schuld für die Niederlage.
Wenn das so weiter geht, dann lass ich am Ende der Saison das Trikot einrahmen. Muß ich auch, weil dann dürfte es langsam aber sicher etwas stark riechen.

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