24.04.2009
Ein herrlicher Sommertag. Die Temperaturen gefühlt weit über 30 Grad. Obwohl wir uns jedes Mal geschworen hatten, nie wieder zu einem Auswärtsspiel in die Stadt ohne Namen zu fahren, haben wir 2 Tickets. Weil das Spiel an einem Freitag ist und eh immer Stau um und in besagter Stadt, wollen Guido und ich dieses Mal mit dem Sonderzug fahren. Also treffen wir uns im halb fünf am Hauptbahnhof unten direkt bei McDonalds. Die Treppe hoch sieht und hört man schon den Mob. Das Wetter ist bestens und die Stimmung auch. Mit einem Sieg können wir kräftig Boden gut machen auf die ersten beiden Plätze. Die Bahn kommt auch zeitig und ab in die volle Bahn. Ein geflegtes Gruppenkuscheln. Das Abteil ist bis zum Anschlag voll und jeder hat seine 30 Quadratzentimeter Freiraum. Ein paar Leute diskutieren, wo man denn am besten aussteigt. Das sind wohl Neulinge. Die Frage nimmt einem nämlich freundlicherweise die Polizei ab. An allen Stationen vorher wird der Ausgang abgeriegelt. Da wo man dann aussteigen soll, wird man freundlich aus der Bahn getrieben. Jedenfalls liegen wir perfekt in der Zeit. Doch dann kommt der letzte Halt vor dem eigentlichen.
Nichts geht mehr. Wir warten. Jemand sollte mal einen Aufguß machen, denn das Abteil hat die Betriebstemperatur einer finnischen Sauna erreicht. 15 Minuten stehen wir immer noch. Wiederum 15 Minuten später geht es endlich weiter. Ein paar Fortuna Fans sind angeblich über die Gleise gelaufen und wir durften darum etwas länger auf die Weiterfahrt warten. Danke Jungs. Endlich treffen wir am Bahnhof ein und werden von einer großen Menge Polizisten unfreundlich begrüßt. Die Zeit wird langsam etwas eng bis zum Spiel, aber es dürfte noch passen.
Wir machen uns also auf den Weg Richtung Stadion den Berg hinab.
Kurz vor dem Stadion versammeln sich dann alle Bahnreisenden im ersten Polizeikessel. Wir werden von allen Seiten eingekesselt. Vor uns Richtung Stadion hat eine Reiterstaffel Position bezogen. Ich fühle mich wie ein Prominenter, denn wir werden von allen Seiten aus gefilmt. Bin bestimmt auf 10 verschiedenen Polizeifilmen drauf. Lasse mich nicht groß lumpen und winke freundlich in alle Objektive. So langsam drängt aber die Zeit etwas und die Knüppelgarde macht keine Anstalten uns durch zu lassen. Die ersten Bierflaschen fliegen und die Jungs in der ersten
Reihe kriegen die erste Ladung Pfefferspray ab. Die allgemeine Stimmung droht nun etwas zu kippen. Aber auf einmal geht es dann doch weiter. Das Spiel soll um 19:30 Uhr anfangen und jetzt ist es 19:00 Uhr und wir sind noch nicht einmal am Stadion.
Endlich am Stadion angekommen reihen wir uns nahtlos in die nächste Menschenmenge ein. Die 5 Ordner am Eingang kommen anscheinend mit den ca. 5000 Düsseldorfern nicht so recht klar. Kurzerhand übernimmt die Knüppelgarde die Einlaßkontrolle. Wir werden von ein paar Polizisten gründlich durchsucht, während sich die paar Ordner eine Zigarette rauchen. Die Pause
haben sie sich aber auch verdient. Das Spiel wird um eine halbe Stunde nach hinten verlegt. Zum Glück, denn wir sind erst um 19:45 Uhr im Block.
Die erste Halbzeit ist ein elendiger Sommerkick. Die gegnerischen Ultras haben hoch oben auf der Haupttribüne anscheinend ihren Stammplatz. Jedenfalls ist da ein Pulk von ca. 30 Leutchen die ständig was zu uns rüberrufen. Der Block antwortet mit "Ihr seit leiser als Fortuna Köln" und "Hättet ihr ein paar Ultras, dann wär hier auch was los". Die seltsamen Gestalten auf der Haupttribüne fühlen sich wohl beleidigt und rufen weiterhin irgendwelche Sachen zu uns. Man hört nur nicht was. Endlich ist Halbzeit und Zeit für eine Stadionwurst. Guido und ich machen uns auf den Weg. Leider vergeblich. Alle Buden sind bereits ausverkauft und zu. Die Polizei hat oben alles abgeriegelt, weil man (zurecht) Ärger erwartet. Nix mehr zu trinken. Kein Bier. Nix. Was für eine Provinz das hier doch ist.
Die zweite Halbzeit ist noch schlimmer als die erste. Unvorstellbar, aber wahr. Fortuna vergibt die besten Chancen. Am Ende bleibt es bei einem vollkommen unverdienten Unentschieden und alle gehen frustriert aus dem Stadion. Wieder umringt und begleitet von der Polizei geht es Richtung Bahnhof den Berg rauf. Die Einheimischen hängen aus ihren Fenster und beobachten uns. Scheint wohl eine trostlose Stadt zu sein, wenn ein paar Fortuna Fans so eine Attraktion sind. Kurz vor dem Bahnhof werden wir von der Polizei gestoppt. Die Strasse ist an der Seite
und vor uns mit Mannschaftswagen zugestellt. Vor uns steht der Trupp mit den Knüppeln. Innerhalb kürzester Zeit füllt sich die Strasse und es wird kuschelig eng. Da immer mehr aus der Richtung Stadion kommen, wird es langsam immer enger. Aber die Polizei macht keine Anstalten uns durch zu lassen. 10 Minuten stehen wir jetzt schon hier und werden immer mehr zusammen gequetscht. Zum Glück stehen wir beide ziemlich weit vorne und haben immer noch die Hoffnung, dass wir bald auf den Bahnhof dürfen. Ein paar Kids fangen an, an einem Einsatzwagen zu rütteln. Keine gute Idee. Die Polizei betrachtet das ganze extrem Spaß befreit und schreitet ein. Jetzt schieben die Grünen von hinten um uns weiter einzukesseln. Die Kollegen vorne betrachten das als Provokation und schon gibt es wieder eine Runde Pfefferspray an die Leute in der ersten Reihe. Zu dem drängen jetzt von hinten die Polizisten und die von vorne auch. Als wenn hier jemand überhaupt noch Platz um Atmen hätte. So vergehen die Minuten in einem launigen hin und her geschiebe. Neben mir bekommt ein kleines Mädchen Panik, weil sie wohl Platzangst hat. Ich denke mir noch, genau die richtige Zeit um mal so richtig seiner Klaustrophobie zu frönen. Das Mädel wird nach vorne durchgereicht und dort sofort von der Polizei wieder zurückgedrängt. Alle warten darauf, dass sie endlich umkippt. Aber sie hält sich tapfer. Mittlerweile stehen wir seit 20 Minuten hier und es passiert nichts. Angeblich wurde eine Fliegerbombe gefunden und darum kann kein Zug fahren. Ein Polizist mit Mikrofon schlägt vor, man solle sich doch gemütlich auf die Strasse setzen und warten. Würden wir, wenn sich auch nur einer bewegen könnte. Wieder rappeln ein paar Jungs an einem Streifenwagen und das alte Spiel geht von vorne los. Die Knüppelgarde kommt von hinten und drängt alle nach vorne, die vorne drängen alle nach hinten, es gibt wieder eine Runde Pfefferspray und allen wird so langsam das letzte bisschen Luft aus dem Körper gequetscht. Endlich weitere 15 Minuten später fährt ein ICE ein. Die ersten werden einzeln durchgelassen. Dazu reiht sich die Knüppelgarde so auf, dass man nur gerade eben so einzeln durchkommt. Ein paar Minuten später sitzen wir endlich im Zug. Total sauer und vollkommen frustiert fahren wir Richtung Düsseldorf.
Was für ein Spiel. Wieder mal eine gute Chance verpasst, den Abstand auf die Aufstiegsplätze zu verkürzen vergeigt. Was für eine häßliche Stadt. Da fahren wir nie wieder hin. Guido und ich schwören uns, nie wieder den Namen der Stadt zu nennen.
Außerdem werden wir hier nie wieder hinfahren. Zum Glück müssen wir das wohl auch vorerst nicht mehr.
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