Mittwoch, 29. Juli 2009

Die Stadt ohne Namen

24.04.2009
Ein herrlicher Sommertag. Die Temperaturen gefühlt weit über 30 Grad. Obwohl wir uns jedes Mal geschworen hatten, nie wieder zu einem Auswärtsspiel in die Stadt ohne Namen zu fahren, haben wir 2 Tickets. Weil das Spiel an einem Freitag ist und eh immer Stau um und in besagter Stadt, wollen Guido und ich dieses Mal mit dem Sonderzug fahren. Also treffen wir uns im halb fünf am Hauptbahnhof unten direkt bei McDonalds. Die Treppe hoch sieht und hört man schon den Mob. Das Wetter ist bestens und die Stimmung auch. Mit einem Sieg können wir kräftig Boden gut machen auf die ersten beiden Plätze. Die Bahn kommt auch zeitig und ab in die volle Bahn. Ein geflegtes Gruppenkuscheln. Das Abteil ist bis zum Anschlag voll und jeder hat seine 30 Quadratzentimeter Freiraum. Ein paar Leute diskutieren, wo man denn am besten aussteigt. Das sind wohl Neulinge. Die Frage nimmt einem nämlich freundlicherweise die Polizei ab. An allen Stationen vorher wird der Ausgang abgeriegelt. Da wo man dann aussteigen soll, wird man freundlich aus der Bahn getrieben. Jedenfalls liegen wir perfekt in der Zeit. Doch dann kommt der letzte Halt vor dem eigentlichen.
Nichts geht mehr. Wir warten. Jemand sollte mal einen Aufguß machen, denn das Abteil hat die Betriebstemperatur einer finnischen Sauna erreicht. 15 Minuten stehen wir immer noch. Wiederum 15 Minuten später geht es endlich weiter. Ein paar Fortuna Fans sind angeblich über die Gleise gelaufen und wir durften darum etwas länger auf die Weiterfahrt warten. Danke Jungs. Endlich treffen wir am Bahnhof ein und werden von einer großen Menge Polizisten unfreundlich begrüßt. Die Zeit wird langsam etwas eng bis zum Spiel, aber es dürfte noch passen.
Wir machen uns also auf den Weg Richtung Stadion den Berg hinab.
Kurz vor dem Stadion versammeln sich dann alle Bahnreisenden im ersten Polizeikessel. Wir werden von allen Seiten eingekesselt. Vor uns Richtung Stadion hat eine Reiterstaffel Position bezogen. Ich fühle mich wie ein Prominenter, denn wir werden von allen Seiten aus gefilmt. Bin bestimmt auf 10 verschiedenen Polizeifilmen drauf. Lasse mich nicht groß lumpen und winke freundlich in alle Objektive. So langsam drängt aber die Zeit etwas und die Knüppelgarde macht keine Anstalten uns durch zu lassen. Die ersten Bierflaschen fliegen und die Jungs in der ersten
Reihe kriegen die erste Ladung Pfefferspray ab. Die allgemeine Stimmung droht nun etwas zu kippen. Aber auf einmal geht es dann doch weiter. Das Spiel soll um 19:30 Uhr anfangen und jetzt ist es 19:00 Uhr und wir sind noch nicht einmal am Stadion.
Endlich am Stadion angekommen reihen wir uns nahtlos in die nächste Menschenmenge ein. Die 5 Ordner am Eingang kommen anscheinend mit den ca. 5000 Düsseldorfern nicht so recht klar. Kurzerhand übernimmt die Knüppelgarde die Einlaßkontrolle. Wir werden von ein paar Polizisten gründlich durchsucht, während sich die paar Ordner eine Zigarette rauchen. Die Pause
haben sie sich aber auch verdient. Das Spiel wird um eine halbe Stunde nach hinten verlegt. Zum Glück, denn wir sind erst um 19:45 Uhr im Block.
Die erste Halbzeit ist ein elendiger Sommerkick. Die gegnerischen Ultras haben hoch oben auf der Haupttribüne anscheinend ihren Stammplatz. Jedenfalls ist da ein Pulk von ca. 30 Leutchen die ständig was zu uns rüberrufen. Der Block antwortet mit "Ihr seit leiser als Fortuna Köln" und "Hättet ihr ein paar Ultras, dann wär hier auch was los". Die seltsamen Gestalten auf der Haupttribüne fühlen sich wohl beleidigt und rufen weiterhin irgendwelche Sachen zu uns. Man hört nur nicht was. Endlich ist Halbzeit und Zeit für eine Stadionwurst. Guido und ich machen uns auf den Weg. Leider vergeblich. Alle Buden sind bereits ausverkauft und zu. Die Polizei hat oben alles abgeriegelt, weil man (zurecht) Ärger erwartet. Nix mehr zu trinken. Kein Bier. Nix. Was für eine Provinz das hier doch ist.
Die zweite Halbzeit ist noch schlimmer als die erste. Unvorstellbar, aber wahr. Fortuna vergibt die besten Chancen. Am Ende bleibt es bei einem vollkommen unverdienten Unentschieden und alle gehen frustriert aus dem Stadion. Wieder umringt und begleitet von der Polizei geht es Richtung Bahnhof den Berg rauf. Die Einheimischen hängen aus ihren Fenster und beobachten uns. Scheint wohl eine trostlose Stadt zu sein, wenn ein paar Fortuna Fans so eine Attraktion sind. Kurz vor dem Bahnhof werden wir von der Polizei gestoppt. Die Strasse ist an der Seite
und vor uns mit Mannschaftswagen zugestellt. Vor uns steht der Trupp mit den Knüppeln. Innerhalb kürzester Zeit füllt sich die Strasse und es wird kuschelig eng. Da immer mehr aus der Richtung Stadion kommen, wird es langsam immer enger. Aber die Polizei macht keine Anstalten uns durch zu lassen. 10 Minuten stehen wir jetzt schon hier und werden immer mehr zusammen gequetscht. Zum Glück stehen wir beide ziemlich weit vorne und haben immer noch die Hoffnung, dass wir bald auf den Bahnhof dürfen. Ein paar Kids fangen an, an einem Einsatzwagen zu rütteln. Keine gute Idee. Die Polizei betrachtet das ganze extrem Spaß befreit und schreitet ein. Jetzt schieben die Grünen von hinten um uns weiter einzukesseln. Die Kollegen vorne betrachten das als Provokation und schon gibt es wieder eine Runde Pfefferspray an die Leute in der ersten Reihe. Zu dem drängen jetzt von hinten die Polizisten und die von vorne auch. Als wenn hier jemand überhaupt noch Platz um Atmen hätte. So vergehen die Minuten in einem launigen hin und her geschiebe. Neben mir bekommt ein kleines Mädchen Panik, weil sie wohl Platzangst hat. Ich denke mir noch, genau die richtige Zeit um mal so richtig seiner Klaustrophobie zu frönen. Das Mädel wird nach vorne durchgereicht und dort sofort von der Polizei wieder zurückgedrängt. Alle warten darauf, dass sie endlich umkippt. Aber sie hält sich tapfer. Mittlerweile stehen wir seit 20 Minuten hier und es passiert nichts. Angeblich wurde eine Fliegerbombe gefunden und darum kann kein Zug fahren. Ein Polizist mit Mikrofon schlägt vor, man solle sich doch gemütlich auf die Strasse setzen und warten. Würden wir, wenn sich auch nur einer bewegen könnte. Wieder rappeln ein paar Jungs an einem Streifenwagen und das alte Spiel geht von vorne los. Die Knüppelgarde kommt von hinten und drängt alle nach vorne, die vorne drängen alle nach hinten, es gibt wieder eine Runde Pfefferspray und allen wird so langsam das letzte bisschen Luft aus dem Körper gequetscht. Endlich weitere 15 Minuten später fährt ein ICE ein. Die ersten werden einzeln durchgelassen. Dazu reiht sich die Knüppelgarde so auf, dass man nur gerade eben so einzeln durchkommt. Ein paar Minuten später sitzen wir endlich im Zug. Total sauer und vollkommen frustiert fahren wir Richtung Düsseldorf.
Was für ein Spiel. Wieder mal eine gute Chance verpasst, den Abstand auf die Aufstiegsplätze zu verkürzen vergeigt. Was für eine häßliche Stadt. Da fahren wir nie wieder hin. Guido und ich schwören uns, nie wieder den Namen der Stadt zu nennen.
Außerdem werden wir hier nie wieder hinfahren. Zum Glück müssen wir das wohl auch vorerst nicht mehr.

Dienstag, 21. Juli 2009

Die Sommerpause zieht sich wie jedes Jahr wie Gummi. Es fällt schwer passende Ersatzbeschäftigungen für Samstag Nachmittag zu finden. Alles was man schon immer mal erledigen wollte, ist mittlerweile erledigt. Ein Samstag war zum ausführlichen Einkaufen reserviert. Jetzt habe ich eine neue Jacke und 3 neue Poloshirts. Dann habe ich mir an einem weiteren Samstag endlich mal einen Mixer gekauft. Das hebt zwar den allgemeinen Lebensstandard und einen Bananmilchshake selber machen hat ja auch was. Aber jetzt ist nichts mehr auf der Liste. Es wird Zeit, dass es wieder losgeht.
Der Auftakt könnte auch nicht besser sein. Pokalspiel gegen die Fischköppe aus Hamburg. Wir hätten kaum ein besseres Los trefffen können. Zwar werden wir aus dem Pokal ausscheiden, aber alleine die Einnahmen machen alles wieder gut. Dazu kommt Fortuna noch live im Fernsehen. Wenn ich mich recht erinnere, dann war das letzte Pokalspiel von uns live im Fernsehen das legendäre 3:1 gegen Bayern München. Wer erinnert sich nicht an die Sternstunde von Ben Manga. Ein hofflungslos untalentierter Fußballer, der seine 15 Minuten Ruhm hatte. Ich kann mich noch an viele schlimme Spiele danach von ihm erinnern. "Aber der hat gegen Bayern im Pokal getroffen!". Ja, ja, Deine Mutter.
Die Karte für den 35er ist schon lange gekauft. Als Dauerkartenbesitzer hat man ja zurecht ein Vorkaufsrecht. Mittlerweile sind wohl angeblich 30.000 Karten weg. Ich denke nicht, dass ausverkauft sein wird. Aber egal. Wir sind dabei.
Übrigens war seinerzeit gegen Hamburg mein erstes Spiel im Rheinstadion. Freitag Abends. Zwar verloren aber sofort infiziert. Ab dem Tag waren wir bei fast allen Heimspielen.
Mit Sicherheit werden wir in der ersten Runde rausfliegen. So wie vor 3 Jahren gegen Bochum. Bis heute kann ich nicht verstehen, warum dieses Spiel am Flinger Broich ausgetragen wurde. Gerade einmal 7000 Zuschauer passten rein. Da wären doch mit Sicherheit das Doppelte oder Dreifache an Karten über die Theke gewandert. War ein nettes Spiel. Wir führten sogar 1:0 nach einem Tor von Podsuzs (oder so ähnlich). Aber dank eines starken Torwarts und einem Abwehrspieler mit schütterem Haar wurde es dann doch nichts mit der Pokalsensation. Danke Jungs. Auch für die anderen vielen schlechten Spiele danach noch im Trikot der Rot-Weißen!
Alles vergessen. Bald geht es wieder los!
Ich schreibe dann mal, wie das Spiel war