Montag, 26. April 2010

Das Trauma besiegen

Auswärts in Bielefeld. Da war doch noch was. Genau. Es war die Saison 96/97, besser gesagt November 1996. Wir wollten unbedingt zum Auswärtsspiel nach Bielefeld. Also trafen wir uns Samstags Morgens zu einer eher unchristlichen Zeit. Die Stimmung war gut. Das lag aber eher an dem enormen Restalkohol vom Abend vorher. Es war ein grauer, regnerischer Tag. Also fuhren wir nach Bielefeld. Kaum von der Autobahn abgefahren standen wir im Stau. Das drückte schon ein wenig auf die Stimmung. Als wir dann endlich am Stadion ankamen, gab es nur Karten für 30 DM. Was für eine Abzocke. Egal, wir wollten das Spiel sehen. Netterweise hatte die Dame am Kartenverkauf uns Karten direkt in den ersten Reihen verkauft. Es regnete. Vor allem da, wo wir saßen. So langsam setze bei allen dann die Ernüchterung ein. Auch im wörtlichen Sinne. Das Spiel war eher schlecht und wir verloren 1:0. Da standen wir also das ganez Spiel im Regen, auf einem 30 Mark teurem Platz und fuhren ohne Punkte wieder nach Hause.
Damit war der Tag aber noch nicht beschlossen. Jemand, dessen Name ich hier nicht erwähnen möchte, meinte, er würde eine Abkürzung kennen. In Bielefeld! Wo wir zum ersten Mal in unserem Leben waren. Da wir einen langen Stau vor uns hatten, ließen wir uns überreden. Naja, seitdem kenne ich wohl jeden Winkel in Bielefeld. Sobald mehr als 3 Autos hintereinander standen, schrie einer Stau und wir bogen in eine andere Strasse ab. Das ganze Spiel zog sich so gefühlte 3 Stunden hin, bis wir irgendwann, irgendwo dann doch eine Autobahn fanden. Da hatten wir Bielefeld schon lange verlassen. Die Heimfahrt war nicht gerade spaßig. Alle waren angefressen wegen der Niederlage und vor allem total genervt wegen der ganzen "Abkürzungen". Am nächsten Tag hatte ich eine Erkältung.

Dieses Erlebnis hatte uns jahrelang jegliches Interesse an einem weiteren Besuch in Bielefeld genommen. Aber man muß sich von Zeit zu Zeit seinen Ängsten und vor allem Abneigungen stellen. Von den damals 6 Jungens sind nur noch 2 übrig geblieben. Aber zu dritt ging es dann nach 14 Jahren wieder auf nach Bielefeld. Das Trauma besiegen. Diese dunklen Erinnerungen los werden. Die Vorzeichen waren dieses Mal ungemein besser. Nur die Karte war mit 18,70 Euro noch etwas teurer. Außerdem haben wir dieses Mal ein Navi dabei. Gab es 1996 überhaupt schon solche Geräte? Wahrscheinlich schon, aber man hätte solch ein Gerät wohl als separaten Anhänger hinten ans Auto hängen müssen. Dieses Mal ist kein Stau am Ende der Autobahn. Es scheint die Sonne. Etwas zuviel Sonne. In Bielefeld fahren wir an der ein oder anderen Kaserne vorbei. Unter anderem an einer Kaserne der polnischen Armee. Jemand, dessen Name ich hier nicht erwähnen möchte, sieht eine rot weiße Fahne vor der Kaserne und behauptet von da ab, das wären Polen. Hätte ja mal jemand sagen können, dass Polen jetzt auch in der Nato ist. Nach einigen Witzen über besagte Person, Polen, den Beitritt der Polen in die Nato sind wir am Ziel. Wir suchen uns in einer häßlichen Wohngegend
einen Parkplatz und es geht durch einen malerischen Park Richtung Stadion. Nach ca. 20 Minuten Fußweg angekommen, sagt uns eine freundliche Dame, dass wir hier aber voll falsch sind. Unser Eingang ist einmal ums halbe Stadion auf der anderen Seite. Also schauen uns wir auf dem Weg auch noch den Rest von dem malerischen Park an. Rechtzeitig 15 Minuten vorher sitzen wir im Block. Nicht unweit von der Stelle, wo wir damals saßen. Warum erinnert man sich an so etwas überhaupt? Verdrängt man nicht eigentlich böse Erinnerungen? Die erste Halbzeit ist sehr gut. Die Fans singen. Die Stimmung ist prächtig. Heidi macht eine Hütte und wir führen eins null. Einzig der Schiedsrichter ist wieder einmal vollkommen unfähig. Man fragt sich, wo denn die guten Schiedsrichter hin sind. Machen die alle schon Urlaub? Ein Bielefelder springt dem Oehrl von hinten in die Knochen und der Schiri sieht es nicht mal. Noch nicht einmal der noch verblödetere Linienrichter. Dabei steht der direkt davor. Für Oehrl ist das Spiel vorbei. Ich schlage dem Linienrichter vor, es möge doch die Fahne aus seinem Rektum entnehmen. Dann könne er damit auch ab und an mal wedeln. Es scheint aber gegen seine sexuelle Vorliebe zu gehen und so bleibt die Fahne da, wo sie eigentlich nicht hingehört.
Die zweite Halbzeit startet mit einer 10000% Chance von Harnik. Aber er versemmelt sie. Dann fangen wir uns recht schnell durch einen Torwartfehler den Ausgleich. Danach geht das Spiel erst so richtig los. Beide Mannschaften haben Chancen, aber keiner trifft mehr. So endet das Spiel Unentschieden. Das Trauma ist zwar nicht besiegt, aber ich hoffe, dass zumindest so langsam die Erinnerung an damals endlich schwindet. Wir laufen zurück durch den malerischen Park und nach einer gefühlten halben Stunde können wir uns endlich gemütlich im Auto in den Stau einreihen. Niemand wagt es, den Begriff "Abkürzung" auch nur zu erwähnen. Wir stehen klaglos im Stau. Wir diskutieren über das Relegationsspiel gegen Bochum und sind uns sicher, dass wir die aus der Hose hauen. Bundesliga wir kommen!